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Das ist die Frage, die Bäckermeister Ludwig Neulinger im Zusammenhang mit Brot am Haken am häufigsten hört, gefolgt von „Wer ist denn eigentlich bedürftig?“. Bäcker Neulinger ist unser Mann der ersten Stunde, er war mit seinen Bio-Bäckereien von Anfang an dabei. Nach zwei Jahren Brot am Haken ist es Zeit für ein Gespräch. Wie lief es anfangs?

Hat sich die Einstellung verändert? Positive und auch negative Erinnerungen mit dem Brett im Laden? Wir besuchen ihn in seinem Stammhaus in Neuhausen.

Ist das alles echt?

 

 

 

 

 

 

 

 

So eine Frage kommt einem schon mal in den Sinn, wenn man Ludwig Neulinger und seine Bäckerei in der Volkartstraße zum ersten Mal sieht. Der schöne Laden könnte aus einer 50iger Jahre-Kulisse der Bavaria-Filmstudios stammen. Nur dass die Kunden modern gekleidet sind und natürlich, dass in dem alten Holzofen mitten im Geschäft tatsächlich noch täglich Brot gebacken wird. In bester Bio-Qualität, versteht sich. Nach eigenen Rezepten und ausschließlich mit natürlichen Zutaten.

Auch Neulinger selbst, in klassischer Arbeitskleidung, sieht aus, wie man sich einen Bäckermeister eben vorstellt. Bei unserem Treffen scheint die Sonne auf die blau-gelbe Blütenbracht vor dem Schaufenster. Es ist heiß, wir sitzen an einem der Tische vor der Backstube. Gefühlt jeder zweite Passant grüßt. Man kennt sich eben. Die Stammkunden aus der Nachbarschaft kommen schon lange hierher und wissen die Qualität zu schätzen.

Ist das alles echt?

 

 

 

 

 

 

 

 

So eine Frage kommt einem schon mal in den Sinn, wenn man Ludwig Neulinger und seine Bäckerei in der Volkartstraße zum ersten Mal sieht. Der schöne Laden könnte aus einer 50iger Jahre-Kulisse der Bavaria-Filmstudios stammen. Nur dass die Kunden modern gekleidet sind und natürlich, dass in dem alten Holzofen mitten im Geschäft tatsächlich noch täglich Brot gebacken wird. In bester Bio-Qualität, versteht sich. Nach eigenen Rezepten und ausschließlich mit natürlichen Zutaten.

Auch Neulinger selbst, in klassischer Arbeitskleidung, sieht aus, wie man sich einen Bäckermeister eben vorstellt. Bei unserem Treffen scheint die Sonne auf die blau-gelbe Blütenbracht vor dem Schaufenster. Es ist heiß, wir sitzen an einem der Tische vor der Backstube. Gefühlt jeder zweite Passant grüßt. Man kennt sich eben. Die Stammkunden aus der Nachbarschaft kommen schon lange hierher und wissen die Qualität zu schätzen.

Semmeln aus Niederbayern

 

 

 

 

 

Ludwig Neulinger, 56, kam 1979 nach München. Bereits seine Eltern hatten in Niederbayern eine Bäckerei und Neulinger wollte hier ursprünglich nur noch eine zusätzliche Konditorlehre machen. Er ist immer noch da.

„Ich bin gerne hier in München, aber im Herzen bleibe ich Niederbayer“, sagt er. „Wenn es eine niederbayerische Staatsangehörigkeit gäbe, dann würde ich sie gerne behalten“.

Die Münchner sind froh über sein Bleiben. Sie lieben seine Backwaren aufgrund von Qualität, fairem Preis-/Leistungsverhältnis und – vor allem – dem feinen Geschmack. Mittlerweile gibt es die Leckereien in vier Läden, in Neuhausen, Haidhausen und im Schlachthofviertel.

Auch Neulinger selbst, in klassischer Arbeitskleidung, sieht aus, wie man sich einen Bäckermeister eben vorstellt. Bei unserem Treffen scheint die Sonne auf die blau-gelbe Blütenbracht vor dem Schaufenster. Es ist heiß, wir sitzen an einem der Tische vor der Backstube. Gefühlt jeder zweite Passant grüßt. Man kennt sich eben. Die Stammkunden aus der Nachbarschaft kommen schon lange hierher und wissen die Qualität zu schätzen.

Kampf gegen Zusatzstoffe, Vorschriften und Vorurteile

Die Zahl der Handwerksbäckereien schrumpfte in den vergangenen 60 Jahren auf ein Fünftel. Dafür stieg die durchschnittliche MA-Zahl von einer Hand voll auf über 20 Personen pro Betrieb. Das sagt einiges über die Größe aus.

 

 

 

 

 

 

Auch die Bäckerei Neulinger ist gewachsen – die Anzahl der Zutaten im Brot jedoch nicht. Die Geschichte um 17 Jahre Hürden über Vorschriften und Ämter-Irrsinn auf dem Weg zur Bio-Bäckerei würde ein Buch füllen.

Aber an dieser Stelle geht es um zwei Jahre Erfahrung mit unserem Hakenbrett. Wir erinnern uns: Die Wahl zum Brettchen-Pionier fiel 2015 auf Ludwig Neulinger. Da er auch bei der Durchsetzung seines Bio-Konzepts eine große Portion Idealismus und Durchhaltevermögen mitbringen musste, trauten wir ihm einiges zu. Er selbst war allerdings davon nicht gerade begeistert.

Er gesteht: „Ehrlich gesagt habe ich anfangs überhaupt nur drüber nachgedacht, weil ich den Michael kannte.“ Trotzdem kassierte Michael Spitzenberger, der Initiator von Brot am Haken, erst einmal eine Absage, bevor Ludwig Neulinger sich überreden ließ und das erste Brettchen im Laden aufgestellt wurde. Der Anfang war etwas holprig.

Neulinger erzählt, dass der allererste Bon eine ganze Woche am Haken wartete. Ein kleiner Bub hatte sein wöchentliches Taschengeld dafür investiert und kontrollierte täglich, ob er noch da war. Der Bon wurde schließlich abgeholt, der Bub freute sich und mit dem Hakenbrett ging es bergauf.

Die Gesellschaft macht Brot am Haken

 

 

 

 

 

 

 

Klar, dass die abwertenden Kommentare nicht lange auf sich warten ließen. Die Skepsis von allen Seiten war sehr groß. Am Anfang hat das Neulinger auch genervt. „Aber,“ sagt er, „Die Reaktionen auf das Hakenbrett sind halt so etwas wie der Spiegel unserer Gesellschaft“. Sowohl auf Seiten der „Geber“, als auch der „Nehmer“. Neulinger merkte bald, dass die fehlende Kontrolle funktioniert, und die Menschen mit sich selbst ausmachen, was sie in Anspruch nehmen können und was nicht. Dennoch hat es gedauert, bis er selbst überzeugt war. Und ja, der zusätzliche Umsatz des Ladenbetreiber durch die Bons ist auch ein Fakt. Die Geber freuen sich, helfen zu können. Die Nehmer genießen ein Stück Normalität, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Alle haben etwas davon. Es braucht Zeit, dies zu realisieren.

Das Publikum in den vier Läden ist sehr unterschiedlich, aber verdeckte Armut gibt es überall. In den Filialen mit viel Stammkundschaft sind die Nehmer eher zurückhaltend, denn sie wollen nicht von der Nachbarin dabei gesehen werden, wenn sie einen Bon vom Haken nehmen. Da wird dann schon mal gewartet, bis der Laden leer ist. Neulinger erinnert sich, dass einer der ersten „Nehmer“ eine Frau aus dem Haus war, eigentlich nicht bedürftig. Sie bekam ihren Bon und keiner hat etwas gefragt. Schließlich kann es ja genau so passieren, dass jemand gerade knapp bei Kasse ist, aber in der Woche drauf wieder selbst etwas an den Haken hängt. Vielleicht sogar einen höheren Betrag. Oder eben nicht. Manche Nehmer erzählen, sie würden das Brot für eine andere Person nehmen. Das mag stimmen – oder auch nicht. Macht aber keinen Unterschied.

In Filialen mit mehr Laufkundschaft, werden die Bons am schnellsten abgeholt. Man kennt sich nicht und die Hürden sind niedrig.

Eindrücke von der Front

Ludwig Neulinger ist selbst nicht so oft im Laden, deshalb unterhalten wir uns mit einer Verkaufsmitarbeiterin. Katrin kommt zu uns an den Tisch. Sie ist 32 und arbeitet seit gut fünf Jahren bei Neulinger. Katrin ist Teamleiterin im Stammhaus, hilft aber auch häufig in den anderen Filialen aus. Beim täglichen Einsatz in vorderster Front erlebt sie Reaktionen aller Art auf Brot am Haken.

„Wir sind zu allen Kunden gleich höflich, auch zu denen, die das Haken-Angebot nutzen,“ erzählt Katrin. „Das bedeutet aber auch, dass wir diejenigen verwarnen, die uns möglicherweise dumm kommen. Zum Beispiel unter Alkohol-Einfluss, da ist die Wahrnehmung eben anders.“

Es kam schon vor, dass jemand für einen Bon Ware in höherem Wert verlangte und es zu einer Diskussion kam. „Sowas ist natürlich gegenüber anderen Kunden im Laden schwer zu vertreten,“ sagt Katrin. „Aber gottseidank passiert es extrem selten.“

Klar, dass die „Nehmer“ nicht immer den gängigen Vorstellungen entsprechen und sich mancher fragt, ob die Person nun wirklich berechtigt ist, sich am Haken zu bedienen. Es gleicht sich am Ende aus, davon sind alle überzeugt. Und überhaupt: Wer will das beurteilen? „Die positiven Erlebnisse überwiegen bei weitem und ich bin auch nach zwei Jahren noch begeistert von Brot am Haken und der Philosophie, die dahinter steckt.“

Danach erzählte Katrin uns noch einige Geschichten von „Stammkunden“. Diese werden wir Ihnen bald an dieser Stelle vorstellen.

Schauen Sie mal wieder vorbei!

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